Hier stehen wir

Catherine McMillan
Catherine McMillan

“Hier stehe ich!» rief Najla Kassab, die libanesische Frau im Talar auf der Lutherkanzel in der voll besetzten Stadtkirche zu Wittenberg – und strahlte. Begeisterter Applaus. «Eine Frau aus dem Nahen Osten auf der Kanzel von Luther. Das hätte seine 96. Frage an die Kirche werden können – nicht, warum eine Frau auf dieser Kanzel, sondern warum hat es so lange gedauert?» Tosender Applaus. Die afrikanische Frau hinter mir fragte: «Ist sie die neue Präsidentin? Wunderbar!»

Najla Kassab predigt auf der Lutherkanzel

Das war nur eins der Highlights in diesem Meilenstein-Gottesdienst am 5. Juli, 2017, 500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag in Wittenberg. Kassab ist die erste ordinierte Frau der National Evangelical Synod of Syria and Lebanon und nominiert als nächste Präsidentin der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen. Ich sass mit ihr mehrmals bis spät im Komitee «Vision und Botschaft», um eine neue Vision für die Weltgemeinschaft zu entwickeln. Ich bin persönlich von ihr begeistert!

Am Anfang des Gottesdienstes hatte uns der Vorsitzende des Rats der evangelischen Kirchen Deutschlands, Bischof Heinrich Bedford-Strohm, begrüsst: Heute wird Geschichte geschrieben! In einer zerrissenen Welt, in der Gewalt die Herrschaft zu übernehmen droht, zeigen wir hier, dass wir bereit sind als christliche Kirchen, auf das zu schauen, was uns eint. In der Liebe Jesu Christi werden wir überwinden, damit jeder Mensch in Würde leben kann. Das schaffen wir gemeinsam. So ungefähr die Worte, die er auf Englisch sprach.

Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre

Katholiken, Methodisten, Mennoniten und Reformierte leiteten den Gottesdienst. Feierlich schloss sich die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre an. Diese hatten Katholiken und Lutheraner schon im Jahr 1999 nach jahrzehntelanger theologischer Gespräche unterschrieben. Im Jahr 2006 hatte sich der Weltrat Methodistischer Kirchen angeschlossen. Jetzt endlich auch die Reformierten, mit einer willkommenen Ergänzung über die Bedeutung der Rechtfertigung für Gerechtigkeit in der Welt. Dann unterzeichneten Vertreter des Lutherischen Weltbunds und der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen das Wittenberger Zeugnis. Alles, was wir zusammen voranbringen können, auf lokaler, regionaler und globaler Ebene, sollten wir gemeinsam tun.

Hoffentlich werden diese Akte zu Hause in Afrika, Amerika, Asien und Europa Konsequenzen haben und helfen, mehr Frieden zu stiften und mit einer Stimme Gerechtigkeit für alle einzufordern. So werden wir als Christen und Christinnen glaubwürdig.

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