Einheit in der Vielfalt

Susanne Schneeberger Geisler

Die Bibelarbeit von Mitri Raheb, Pfarrer der Lutherischen Kirche in Bethlehem, wurde von der Weltgemeinschaft der Reformierten Kirchen gut aufgenommen. Raheb ging von seiner Region Palästina, dem Nahen Osten, aus. Das Christentum entstand in Palästina, am Rande des römischen Reiches. Doch weder das griechische noch das römische Reich, noch Konstantin der Grosse erreichten – trotz grosser imperialer Macht – die  Region und die christliche Gemeinschaft vollständig zu unterwerfen und den Glauben zu uniformieren.

Mitri Raheb erklärte:  „Die christliche Gemeinschaft entwickelte eine Vielfalt an religiösem Ausdruck, die sich zum Beispiel in unzähligen Bibelübersetzungen niedergeschlagen hat.“ Raheb führte weiter aus, dass die Bibel zu den Menschen in verschiedene Kontexte gebracht und in ihre Sprachen übersetzt wurde, anders als im Islam.  Der Koran als Heilige Schrift hat nur in Arabisch seine volle Gültigkeit. Mitri Raheb rief die Versammlung auf, diese Vielfalt als Reichtum der weltweiten christlichen Gemeinschaft zu sehen und für eine Einheit innerhalb der Verschiedenheit zu arbeiten und keine Uniformierung anzustreben. „Traut euch, eure eigenen kontextuellen Theologien zu entwickeln und eigene christliche Geschichten zu erzählen, insbesondere aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Ohne eure Beiträge gibt es keine weltweite Gemeinschaft.“

 

Nikolaikirche Leipzig – von der Reformation zum friedlichen Aufstand

Susanne Schneeberger Geisler

Willkommensgottesdienst der Generalversammlung

Festlich gewandetet Menschen aus aller Welt sitzen freudig gespannt in den vollen Reihen der Kirche, um gemeinsam zu feiern. Nach der ersten Bachkantate wird es still und dann – völlig unerwartet – ertönten kehlige Stimmen:  „wir wollen raus“ und „Freiheit“  wird eindringlich skandiert. Der Druck unter dem die Menschen stehen und die tiefe Sehnsucht nach Öffnung sind in diesen Stimmen zu hören. Die Zeit vor dem Mauerfall wird spürbar, an diesem Ort, in dieser Kirche, wo die Montagsgebete ab 1982 stattfanden, in denen Menschen sich trafen, um für Frieden,  Freiheit und Wandel zu beten und an ihn zu glauben lange bevor erste Zäune sich öffneten, zuerst nur als kleine Gruppe über die Jahre hinweg mit wachsendem Erfolg.

Diese Botschaft hat Jerry Pillay, Präsident der WGRK in seiner Predigt aufgenommen und mit Erfahrungen aus Südafrika verbunden. Auch da haben die Kirchen und die ökumenische Bewegung  den Wandel – die Überwindung der Apartheid – mit vielen andern zusammen vorangebracht. Jerry Pillay  forderte uns Christen und Christinnen auf, auch heute konstant für Frieden und Gerechtigkeit, für Freiheit und Hoffnung einzustehen:  „Wir müssen aufstehen und leuchten, auf uns muss man zählen können, und so leben wir die Kraft und Hoffnung des Auferstandenen.“

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier knüpfte in seinem Grusswort an die Friedensgebete in der Nikolaikirche an und erinnerte an diese friedliche Revolte.  Er formulierte folgendermassen: “Hier haben die Menschen den Mut gefunden, gegen Unterdrückung und Lügen aufzustehen. Sie haben in dieser Kirche eine  Freiheit erlebt, welche sie bestärkt hat, aufrecht zu stehen. Und diese Freiheit, die wir heute mit Religions- und Gewissensfreiheit oder mit politischer Selbstbestimmung umschreiben ist vielleicht das beste Ergebnis des reformatorischen Glaubens.“

Gottfried W. Locher betonte in seinem Grusswort als Präsident der GEKE, die Bedeutung und den Beitrag vieler Reformatoren und Reformatorinnen,  zu einer weltweiten reformatorischen Bewegung, die vor über 500 Jahren begann und bis heute gelebt wird.

Dieser Gottesdienst hat viele Anwesende sehr bewegt und bestärkt.